Vorbilder: Menschen aus der Realität und der Fiktion

Im Modellieren können unterschiedliche Vorbilder genutzt werden – nicht nur bekannte Persönlichkeiten aus der Gegenwart oder Geschichte, sondern auch Charaktere aus Filmen oder Romanen. Beispielsweise lassen sich visionären Qualitäten eines Steve Jobs oder die Gelassenheit eines Dalai Lama genauso analysieren wie die strategische Brillanz von Sherlock Holmes oder die Beharrlichkeit eines Frodo Beutlin aus „Der Herr der Ringe“.

Wichtig ist, dass das Vorbild für die modellierende Person relevant ist und Aspekte verkörpert, die sie in ihrem eigenen Leben oder Beruf umsetzen möchte.

Modellieren und Strategie-Arbeit

Modellieren und Strategie-Arbeit sind im NLP eng miteinander verbunden. Beim Modellieren wird versucht, erfolgreiche Verhaltensweisen möglichst konkret zu beschreiben: Was tut eine Person? Worauf achtet sie? Welche Entscheidungen trifft sie? Welche inneren oder äußeren Schritte lassen sich beobachten? Hierbei kommen Techniken wie das Herausarbeiten von Wahrnehmungskanälen, Entscheidungsprozessen und mentalen Strategien zum Einsatz. Das Verständnis dieser Strukturen bildet die Grundlage für die Strategie-Arbeit, bei der gezielt neue Verhaltensmuster und Denkansätze entwickelt werden können.

Aus dieser Beschreibung kann anschließend eine Struktur entstehen, die andere Menschen nachvollziehen und selbst praktisch erproben können. Dabei geht es nicht darum, eine Person vollständig zu kopieren. Vielmehr werden einzelne, für das jeweilige Ziel relevante Verhaltens- und Denkweisen herausgearbeitet und auf die eigene Situation übertragen.

Das Grundprinzip, dass Menschen durch Beobachtung von Vorbildern lernen können, ist auch außerhalb des NLP Gegenstand psychologischer Forschung. In der sozial-kognitiven Lerntheorie wird dieser Prozess als Beobachtungs- bzw. Modelllernen beschrieben. Dabei spielen unter anderem Aufmerksamkeit, Speicherung und die spätere Umsetzung des beobachteten Verhaltens eine Rolle.

„If someone can do it, anyone can learn to do it. Modeling excellence is the essence of NLP.“
Richard Bandler, Mitbegründer des NLP

Der "Als Ob"-Rahmen im Modellieren

Beim Modellieren kann der „Als-ob“-Rahmen dazu dienen, eine beobachtete Verhaltensweise zunächst probeweise einzunehmen.

Die Leitfrage lautet beispielsweise: „Was würde ich anders wahrnehmen, entscheiden oder tun, wenn ich mich in dieser Situation an diesem Vorbild orientieren würde?“

Der Wert dieser Übung liegt vor allem im Experimentieren. Die Person kann eine alternative Verhaltensweise ausprobieren und anschließend prüfen, ob sie in der eigenen Situation tatsächlich hilfreich ist. Das verhindert zugleich, dass das Vorbild einfach unkritisch kopiert wird.

Modellieren in anderen Therapieformen und Ansätzen

Auch in anderen Therapieformen und Coaching-Ansätzen gibt es vergleichbare Methoden. In der kognitiven Verhaltenstherapie wird beispielsweise das Verhalten erfolgreicher Menschen analysiert, um es als Vorbild für den Klienten zu nutzen. In der systemischen Therapie wird oft mit Rollenspielen und Stellvertretern gearbeitet, um positive Verhaltensmuster zu erfassen. Selbst in kreativen Ansätzen wie dem Psychodrama wird die Methode verwendet, um Perspektiven und Denkweisen anderer Menschen oder Figuren nachzuvollziehen und für die eigene Entwicklung zu adaptieren.

Wozu ist das gut?

Wozu ist es gut, sich mit dem Modellieren zu befassen

Das Modellieren ermöglicht es Coaches und Führungskräften, Erfolgsstrategien zu verstehen und gezielt weiterzugeben, um Klienten oder Teams beim Wachstum zu unterstützen. Es bietet eine strukturierte Methode, um Exzellenz nicht nur zu bewundern, sondern aktiv nachzuahmen und anzuwenden. Die Fähigkeit, Vorbilder bewusst auszuwählen und deren Strategien zu adaptieren, erweitert das eigene Repertoire an Fähigkeiten und Denkweisen erheblich. Langfristig stärkt das Modellieren nicht nur die eigene Kompetenz, sondern inspiriert auch zu neuen Wegen in der Zusammenarbeit und Entwicklung anderer.

© NLP-HESSEN 2026
Autor: Dr. Martin Fellehner, NLP-Lehrtrainer und Business-Coach
Überarbeitet am 09.09.2026