Eine Zielübung mit Bodenankern
Diese Übung zur Zielsetzung ist hilfreich, um mögliche Hindernisse in Bezug auf das Ziel zu identifizieren. Sie ermöglicht es, die Vor- und Nachteile sowohl des Problems als auch des Ziels zu reflektieren und bewusst zu machen.
In der NLP-Zielarbeit ist es wichtig, innere Widerstände und Hindernisse zu beachten, weil sie oft unbewusste Blockaden darstellen, die den Fortschritt verhindern können. Diese Blockaden entstehen durch Glaubenssätze, Ängste oder frühere Erfahrungen, die die Umsetzung eines Ziels sabotieren. Wenn diese Widerstände nicht erkannt und bearbeitet werden, besteht die Gefahr, dass der gewünschte Erfolg nicht erreicht wird, obwohl der Wille vorhanden ist. Eine gründliche Auseinandersetzung mit den inneren Hindernissen ermöglicht es, diese aufzulösen und die nötige Energie für die Zielverwirklichung freizusetzen.
Um sicherzustellen, dass es eine systemische Erlaubnis zur Zielerreichung gibt, sollte auch das Umfeld des Einzelnen berücksichtigt werden. Oftmals gibt es familiäre, berufliche oder gesellschaftliche Erwartungen, die das Erreichen des Ziels erschweren können. Eine systemische Erlaubnis bedeutet, dass sowohl das innere als auch das äußere System (wie das Umfeld) das Ziel unterstützt oder zumindest nicht aktiv behindert. Dies lässt sich durch Kommunikation und klare Zieldefinitionen erreichen, sodass sowohl die eigenen inneren Überzeugungen als auch das soziale Umfeld in Einklang mit dem Ziel stehen.
Ablauf
- Der Klient beschreibt eine gegenwärtige Herausforderung und das dazugehörige Ziel. Das Ziel wird durch das Metamodell anhand bestimmter Kriterien transformiert: Es wird positiv formuliert, spezifisch ausgearbeitet, sinnlich konkretisiert, ökologisch betrachtet und motivierend gestaltet.
- Für beide Bereiche (Problemzustand = Ist, Zielzustand = Soll) werden die Bodenanker ausgelegt.
- Zusätzlich werden Bodenanker (runde Kreise) zu jedem Bereich (Ziel und Problem) ausgelegt, die jeweils den Vor- bzw. Nachteil des entsprechenden Zustandes darstellen.
- Eine Metaposition dient als Einstiegsposition, Abschlussposition sowie zur Dissoziation während der Arbeitsschritte
- In den einzelnen Arbeitsschritten werden beginnend mit der Etablierung des Problem- und Zielzustandes nacheinander alle Positionen in alphabetischer Reihenfolge (a-d) durchgegangen.
- Die Position 4e) "Wohin will Dein Körper" wird erst am Ende der Übung eingenommen.
Interventionsanweisungen
a) Beginne damit, in den Problemzustand einzutauchen, indem du dich mit den Aspekten von Verlust, Ärger, Konflikt, Ohnmacht und Gefühllosigkeit verbindest. Lenke deine Aufmerksamkeit nun auf den Bereich des Nachteils, wo du die bewussten negativen Auswirkungen des Problems wahrnimmst.
b) Bewege dich nun in den Zielzustand, wo Vision, Akzeptanz, Kooperation, Optimismus und Glückseligkeit vorhanden sind. Lenke deine Aufmerksamkeit auf den Bereich des Vorteils, wo du die bewussten positiven Auswirkungen des erreichten Ziels wahrnimmst.
c) Kehre nun in den Problemzustand zurück und richte deine Aufmerksamkeit auf den Bereich des Vorteils, wo die verborgenen Vorteile des Problems liegen. Achte darauf, dem Klienten die überwiegend unbewussten Aspekte des sekundären Gewinns bewusst zu machen und Inkongruenzen aufzuspüren.
d) Bewege dich nun in den Zielzustand und richte deine Aufmerksamkeit auf den Bereich des Nachteils, wo die möglichen negativen Folgen des Ziels liegen. Mache dem Klienten die häufig unbewussten Ängste in Bezug auf das erreichte Ziel klar und achte auch hier auf Inkongruenzen.
e) Zum Abschluss positioniere dich in der Mitte der beiden Zustände. Schließe deine Augen und spüre in dich hinein. Bringe eine leichte Schwingung in deinen Körper, indem du sanft hin und her pendelst.
- "Was hat Dich bisher abgehalten, Dein Ziel zu erreichen und wodurch ist Deine Energie gebunden?"
- "Spüre nach, wo es Dich hinzieht oder auch abstößt. Wo will Dein Körper hin?"
Wenn Du willst beende die heutige Arbeit an Deinem Ziel, indem Du einem Schritt aus der Mitte der geankerten Positionen dorthin machst, wohin Dich Dein Körper führen will.
Abschlussfragen:
- "Was kannst Du ab sofort aktiv tun, um Deine Energie zur Zielerreichung in Fluss zu bringen?"
- "Was änderst Du zuerst? Wann beginnst Du?"
In der Literatur findet sich dieses Format auch unter dem Namen "Körperpendel" oder auch "Zielpendel".
Praxisbeispiel: Soll ich meinen Job wechseln?
Zur Verdeutlichung hier ein Beispiel, wie wir es nicht selten in der Coaching-Praxis sehen: Ein Klient ist unsicher, ob er seinen derzeitigen Arbeitsplatz verlassen und ein attraktives Angebot eines anderen Unternehmens annehmen soll. Mithilfe von vier Bodenankern werden die unterschiedlichen Perspektiven nacheinander erlebt.
Die Reihenfolge ist dabei bewusst gewählt. Zunächst richtet sich der Blick auf die positiven Aspekte – sowohl des angestrebten Zielzustands als auch des aktuellen Ist-Zustands. Diese ressourcenorientierten Perspektiven fördern den Rapport mit den eigenen Bedürfnissen und Motiven. Erst anschließend werden die eher unangenehmen oder häufig verdrängten Seiten beider Optionen betrachtet. So fällt es vielen Klienten leichter, auch ambivalente Gefühle zuzulassen und eine ausgewogene Entscheidung zu treffen.
1. Das Gute am Zielzustand (neuer Job)
„Ich hätte deutlich bessere Entwicklungsmöglichkeiten.“
„Das höhere Gehalt würde mir mehr finanzielle Freiheit geben.“
2. Das Schlechte am Ist-Zustand (aktueller Job)
„Ich trete beruflich seit Jahren auf der Stelle.“
„Die Aufgaben motivieren mich kaum noch.“
3. Das Gute am Ist-Zustand (aktueller Job)
„Ich arbeite in einem eingespielten Team mit tollen Kollegen.“
„Mein Arbeitsplatz ist sehr sicher und ich genieße hohes Vertrauen.“
4. Das Schlechte am Zielzustand (neuer Job)
„Ich müsste mich komplett neu beweisen und hätte wieder Probezeit.“
„Ich weiß nicht, ob das neue Team wirklich zu mir passt.“
Nachdem alle vier Positionen erlebt wurden, kann der Klient die unterschiedlichen Eindrücke miteinander vergleichen. Häufig entsteht dadurch ein differenzierteres Bild der Situation, weil sowohl Chancen als auch Risiken beider Optionen bewusst wahrgenommen werden. Erst auf dieser Grundlage wird eine tragfähige Entscheidung möglich.
Wozu ist das gut?
Ein strukturierter NLP-Ziele-Prozess hilft, Hindernisse systematisch zu identifizieren und zu analysieren, was Klarheit darüber verschafft, welche Blockaden das Ziel behindern. Durch den gezielten Einsatz von Techniken wie der "Reframing"-Methode oder der Arbeit mit inneren Ankern (ggf. im Anschluss an die Ziele-Arbeit) können diese Hindernisse konkretisiert und transformiert werden. Dies ermöglicht, dass der Fokus nicht nur auf dem Ziel, sondern auch auf den Lösungsstrategien für die Blockaden gelegt wird. Ein solcher Prozess schafft auch eine klare Ausrichtung und stärkt das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, die Hindernisse zu überwinden und das Ziel zu erreichen.
Unsere Erfahrung mit vielen Teilnehmer:innen in den letzten 20 Jahren zeigt: Das "Körper-Pendel" hilft sich eine Zielklarheit zu verschaffen und verhindern vorschnelle, unbedachte oder unüberlegte "Ziel-Attacken", deren ökologischer Preis für den Klienten/die Klientin möglicherweise zu groß ist.
© NLP-HESSEN 2026
Autor: Dr. Martin Fellehner, NLP-Lehrtrainer und Business-Coach